Workshopblock II

  • Prof. Dr. med. Benno Schimmelmann, Dr. med. Eliane Siegenthaler

    Familientherapie im kinder- und jugendpsychiatrischen Alltag

    ReferentInnen

    Dr. med. Eliane Siegenthaler
    Prof. Dr. Benno Schimmelmann

     

    Zusammenfassung

    In diesem Workshop wollen wir zwei typische Problemfelder in der Familienarbeit und -therapie im kinder- und jugendpsychiatrischen Setting diskutieren:

    1. Ein Kind wird zur ambulanten Behandlung einer ‚psychischen Störung' vorgestellt, es stellt sich jedoch heraus, dass diese am ehesten durch die Störung eines Elternteils zu erklären und auch zu behandeln ist.
    2. Wir haben den (teil)stationären Behandlungsauftrag eines Kindes; das Kind jedoch kann die Behandlung auf Grund von Loyalitätskonflikten zwischen Eltern und Klinik nicht nutzen. Für beide Problemfelder bringen wir ein konkretes Fallbeispiel und diskutieren mit den Teilnehmern die Familiendynamik sowie therapeutische Optionen und Grenzen im kinder- und jugendpsychiatrischen Setting.
  • Lic. phil. Christine Nelevic Longoni

    Darf ich Sie einladen Platz zu nehmen

    Referentin

    Lic. phil. Christine Nelevic Longoni

     

    Zusammenfassung

    Ausgehend von den Entwicklungsphasen der Familien, befassen wir uns mit der Frage, wie die Ablösung, die Bildung der eigenen Identität, bei Jugendlichen im stationären Setting bewältigt werden können. Unkooperatives Verhalten von Jugendlichen weist auf die Bedeutung der Loyalitätsbindung mit Eltern hin. Eltern können daher die Teilnahme an Therapie von ihren Kindern einfordern, und/oder ihnen die Erlaubnis dazu geben. Wir fokussieren im Workshop darauf, wie wir Eltern zur Kooperation mit dem Behandlungsteam gewinnen können. Welche Haltung, Annahmen über die Eltern, sind, auch wenn diese nicht anwesend, krank sind hilfreich für die Kooperation mit Eltern und ihren Kindern.

     

    Handout (pdf 866 kB)

  • Dr. med. Peter Frey

    „Wo sind meine Wurzeln?“

    Referent

    Dr. med. Peter Frey

     

    Zusammenfassung

    Eine junge Frau berichtet in einem Live-Interview, wie sie aus dem Gestrüpp ihres Wurzelgeflechts zu einer eigenen Identität gefunden hat. Vlora hat zwei Familien. Aus Gründen, die im Gespräch thematisiert werden, wurde sie behördlicherseits aus ihrer Ursprungsfamilie weggenommen und in einer Pflegefamilie platziert. Dort hat sie sich rasch gut eingelebt, und bald wollte sie von ihren biologischen Eltern und deren Kultur nichts mehr wissen. Heute, als erwachsene Frau, blickt sie zurück auf ihr Doppelleben, wobei sie sukzessive eine neue Sicht auf ihre Biografie und ihre eigene Entwicklung gewinnt

  • Dr. med. Monique Liechti-Darbellay, Dr. med. Jürg Liechti

    Eine bindungsbasierte Praxis der Systemtherapie – am Beispiel von schwierigen Verläufen bei der Anorexia nervosa

    ReferentInnen

    Dr. med. Monique Liechti-Darbellay
    Dr. med. Jürg Liechti

     

    Zusammenfassung

    Während Erwachsene unter psychischem Leidensdruck und Besserungshoffnungen von sich aus Hilfe holen und belastete Kinder von ihren Eltern bzw. deren Stellvertretern zur Therapie geführt werden, stehen belastete Jugendliche einer professionellen Hilfe – so offensichtlich notwendig wie angemessen sie auch erscheinen mag – oft misstrauisch gegenüber. Sie zeigen es in einer Palette von Verhaltensweisen, von Coolness, Verweigerung, passivem Widerstand bis Null Bock auf Therapie. Berücksichtigt man in der Diagnostik, Motivationsanalyse und Entscheidungsarchitektur allein den individuellen Gesichtspunkt, werden rasch diagnostische Kategorien wie „oppositionelles Verhalten“, „Anpassungsstörung“ oder „Anorexie“ ins Feld geführt. Wird die Qualität der Kommunikation um das Problem herum mit berücksichtigt, so zeigen sich zwei Gesichtspunkte, die für die Therapie genutzt werden können: Zum einen erhält das jugendliche Störungsverhalten im erweiterten (Familien-) Kontext einen Sinn und Funktionen, die mit Loyalitäten, Ambivalenzen, Ängsten, Verpflichtungen und „unsichtbaren Bindungen“ (Boszormenyi-Nagy u. Spark 1981) korrelieren. Zum andern ergibt der Einbezug all jener Menschen, die durch (verbale, nonverbale) Kommunikation um das Problem herum miteinander verbunden sind (Problemsystem) eine erweiterte Perspektive für die hilfreiche Veränderung. Ziel des Workshops ist die Anwendung eines systemisch-bindungsbasierten Denkens und Handelns auf die Therapie mit (scheinbar) unmotivierten Jugendlichen am videografierten Beispiel von schwierigen Verläufen bei der Anorexia nervosa. Dabei legen wir das Hauptgewicht auf die Patientin als „Expertin ihrer Leidenssituation“ und die subtilen Störungen in der Kommunikation mit ihren Eltern. Klinische Erfahrungen zeigen immer wieder, dass Therapiemotivation und Kooperation von psychisch belasteten Jugendlichen verbessert werden können, wenn die Eltern im Auftrag der Jugendlichen darin unterstützt werden, hilflose Kontrollversuche aufzugeben und stattdessen (Bindungs-) Sicherheit herzustellen.

  • Dr. med. Daniel Mentha

    Das adoleszente Gehirn

    Referent

    Dr. med. Daniel Mentha

     

    Zusammenfassung

    Was wissen wir heute über den umfangreichen Umbau, den das menschliche Gehirn während Pubertät und Adoleszenz durchmacht? Welche bestätigenden, erweiternden oder ergänzenden Schlussfolgerungen ergeben sich daraus für die systemische Praxis in der Arbeit mit Jugendlichen?

     

    Handout"

  • Prof. Dr. phil. Dipl. Psych. Klaus E. Grossmann, Dr. phil. Dipl. Psych. Karin Grossmann

    Bindungen – Das Gefüge psychischer Sicherheit und Unsicherheit

    ReferentInnen

    Dr. phil. Dipl. Psych. Karin Grossmann
    Prof. Dr. phil. Dipl. Psych. Klaus E. Grossmann

     

    Zusammenfassung

    Das neugeborene Kind ist als physiologische Frühgeburt ein Mittelhirnwesen. Organisiert werden seine Gefühle durch besondere zuverlässig verfügbarer Betreuer. Sie sind essentiell für den Säugling und als individuelle Bindungsperson nicht austauschbar. Bindungen zu weiteren Personen entwickeln sich jeweils neu. Die Qualität der Bindung hängt ab von der Feinfühligkeit der Beantwortung kindlicher Signale.

    Bindungsentwicklung ist psychisch sicher und adaptiv, wenn 1. Bindungspersonen eine sichere Zuflucht und eine sichere Basis bei Erkunden sind, und wenn 2. Gefühle ‚kohärent‘ interpretiert sind. Gefühle (innen) signalisieren dann Aspekte der Wirklichkeit (außen). Dies befördert individuelle Autonomie.

    Bei Psychischer Unsicherheit fehlen sprachlich verlässliche Stimmigkeit zwischen Gefühlen und Wirklichkeit und Reflexionen darüber. Traumatisierende kommunikative Konflikte desorganisieren den Bezug zur Wirklicheit.