Workshopblock I

  • Lic. phil. Martin Rufer, Dr. med. Paul Zamboni

    „Was wirkt?“ Zwei Psychotherapeuten im Gespräch auf der Suche nach einfachen Antworten auf eine schwierige Frage?

    Referenten

    Martin Rufer, Psychologe und Psychotherapeut FSP
    Paul Zamboni, Psychiater und Psychotherapeut FMH

     

    Zusammenfassung

    Nicht nur Psychotherapieforscher, sondern auch Praktiker stehen immer wieder vor der Frage: „Nützt’s was - ist das, was ich mache hilfreich?“ Aber was genau mache ich, z.B. mit Jugendlichen und Erwachsenen, die oft mehr willig als frei zur Therapie kommen? -

    Gerne lassen wir uns in Fortbildungen über neuste Erkenntnisse und Methoden informieren und inspirieren, vergessen dabei aber oft den eigenen über die Jahre erworbenen Fundus.

    Hier setzt der Workshop an: Eigenes Wissen und Können in Bezug zu Ergebnissen der Psychotherapieforschung im offenen Dialog zu reflektieren und kommunizieren. Anhand von Fragen und Beispielen aus der Alltagspraxis einander konkret zu zeigen versuchen, wie man z.B. eine therapeutische Beziehung im Klientensystem aufbaut, den Therapieprozess steuert, interveniert oder sich zurückhält, wenn’s zur Sache und was man macht, wenn’s hakt und  dabei auch herauszuarbeiten, wo das Gemeinsame, wo die Unterschiede liegen?

     

    Literatur

    Rufer, M. (2012). Erfasse komplex, handle einfach. Systemische Psychotherapie als Praxis der Selbstorganisation – ein Lernbuch. Göttingen (Vandenhoeck&Ruprecht)

  • Prof. Dr. rer. nat. Silke Wiegand-Grefe

    Jugendliche zwischen Risiken und Resilienz in belasteten Familien – eine wissenschaftliche Perspektive

    Referentin

    Prof. Dr. rer. nat. Silke Wiegand-Grefe

     

    Zusammenfassung

    Kinder und Jugendliche psychisch kranker Eltern sind in der internationalen Forschung als Hochrisikogruppe für die Entwicklung eigener Auffälligkeiten bekannt. Psychosoziale Belastungen in der Familie spielen bei einer gesunden psychischen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen eine wesentliche Rolle. Die subjektiven Belastungen können zu Risikofaktoren werden, so dass etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen selbst psychisch auffällig wird. Gleichzeitig erweisen sich eine Reihe von Kindern und Jugendlichen als äußerst resilient gegenüber schwierigen Entwicklungsbedingungen. Im Vortrag werden Auszüge aus unseren Studien über den Einfluss familiärer Risiko- und Resilienzfaktoren auf die Entwicklung und psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen und deren Veränderungen durch die Familienintervention CHIMPs (Wiegand-Grefe, Halverscheid & Plass, 2011) vorgestellt.


    Literatur

    Wiegand-Grefe, S., Halverscheid, S. & Plass, A. (2011). Kinder und ihre psychisch kranken Eltern. Familienorientierte Prävention – der CHIMPs Beratungsansatz. Göttingen: Hogrefe.

  • Dr. med. Reinhard Waeber, lic. phil. Christoph Brantschen

    Null Bock auf Schule – Systemische Therapie bei Schulverweigerung

    Referenten

    Dr. med. Reinhard Waeber
    lic. phil. Christoph Brantschen

     

    Zusammenfassung

    Im Workshop werden die im Referat von Reinhard Waeber beschriebenen
    Interaktionsprozesse zwischen der Innenwelt und Aussenwelt bei
    Jugendlichen mit einer Fallvignette näher dargestellt.  Anhand von
    Videosequenzen wird der systemische Therapieverlauf bei einer
    Schulverweigerungsproblematik  schrittweise aufgezeigt und zur Diskussion
    gestellt. Schwerpunkt wird auf die Beziehungsgestaltung und die
    Ressourcenerweiterung gelegt. Zum einen erhält das jugendliche
    Schulverweigerungsverhalten im erweiterten Kontext einen Sinn.  Zum andern
    ergibt der Einbezug von relevanten Bezugssystemen des Jugendlichen ein erweitertes
    Fallverstehen und schafft neue Möglichkeiten für den therapeutischen Prozess.

  • Dr. med. Romano Torriani

    „In kleinen Schritten zum Ziel“: Erfahrungsaustausch über Strategien in der Motivationsarbeit mit Familien

    Referent

    Dr. med. Romano Torriani

     

    Zusammenfassung

    Ein grosser Teil der psychotherapeutischen Arbeit ist chrakterisiert durch die Ausgangslage: „Diagnosen und die Indikation zur Therapie sind eindeutig, nur der identifizierte Patient macht nicht mit“. In der Vorgeschichte finden sich beim Patienten und im zugehörigen System Problemsituationen, welche wiederholt Leid und Hilflosigkeit bei Drittpersonen hervorrufen. Fachleute und Familienangehörige sind sich einig: es muss nun etwas geschehen, der/die kranke Person ist indentifiziert.

     

    Mit dieser Fremddefinition ist der Patient, der durchaus auch leidend sein kann, oft nicht einverstanden. Motivationsarbeit mit den am Problem beteiligten Personen des Systems ist demnach vor Beginn einer Psychotherapie im engeren Sinn notwendig. Meist präsentiert sich eine komplexe Ausgangslage. Familienmitglieder und bereits involvierte Fachleute haben unterschiedliche Hypothesen formuliert und erwarten eine entsprechende Berücksichtigung ihrer Haltung und ihrer Erwartungen durch den Psychotherapeuten. Der notwendige Verhandlungsprozess über mögliche erste Schritte im Aufbau eines therapeutischen Systems ist das zentrale Thema des Workshops. Kleine, konkrete Schritte sind das Ziel. Mit Kreativität und Geduld kann Vertrauen erarbeitet werden und sekundär auch die Motivation zur Zusammenarbeit beim Patienten. Im Workshop werden mit Hilfe von konkreten Fallbeispielen die unterschiedlichen Erfahrungen der Teilnehmerinnen aufgenommen und diskutiert.

     

    Handout

  • Dipl. FH Markus Grindat

    Bindungsgebundene Interventionen bei SchülerInnen in Klassen mit Störungen des Sozialverhaltens

    Referent

    Dipl. FH Markus Grindat


    Zusammenfassung

    Systemische Betrachtung der Wechselwirkungen zwischen Lehrpersonen, SchülerInnen und Eltern – Wertschätzung und Kooperation ersetzen Strafen und Schuldzuweisungen in der Schule von morgen!

    Mit einem Beobachtungsbogen werden in kürzester Zeit positive Interaktionen und gute Bindungen der Lehrperson zu Schüler und Schülerinnen sichtbar gemacht. Ein anschliessendes Coaching der Lehrperson setzt bei den beobachteten Stärken und den funktionalen Interaktionen an und mündet in einem positiven Empowerment. Bei Bedarf werden oeko-systemische Interventionen kindgerecht gemeinsam mit der Lehrperson geplant (spielerisch, positiv oder paradox) und Elternrunden als erweitertes Lösungssystem eingesetzt. Zunehmend werden Systemtherapeuten in schwierigen Klassensituationen zur Hilfe genommen. Statt die Kinder in die Reparaturwerkstatt „Therapie“ zu nehmen, geben wir die pädagogische Kompetenz, angereichert mit systemischen Sichtweisen, zurück in die Klassenzimmer. Das ZSB Bern hat dazu einen ganzen Lehrgang konzipiert (CAS für Schulen) und Markus Grindat kann von vielen Klasseninterventionen berichten.

     

    Handout (pdf 1.0 MB)

    Beobachtungsblatt

  • Dr. med. Christian Wüthrich

    Anorexie als familiäres Entwicklungsproblem – das stationäre Therapieprogramm für anorektische Patientinnen an der Kinderklink Bern

    Referent

    Dr. med. Christian Wüthrich

     

    Zusammenfassung

    Es gibt bisher noch keinen Konsens darüber, was die ‚richtige‘ Behandlung einer anorektischen Patientin ist. Unterschiedliche Expertenauffassungen bestehen u.a. darüber, ob die Therapie ambulant, stationär oder tagesklinisch erfolgen soll, in welchem Setting die Therapie stattfinden und wie lange sie sinnvollerweise dauern soll. Stationäre Anorexiekonzepte verfolgen unterschiedliche Ansätze. Sie sind abhängig von den Modellvorstellungen zur Krankheitsgenese, von der therapeutischen Ausrichtung resp. den therapeutischen Möglichkeiten der Institution und nicht zuletzt vom Patientenklientel.

    In diesem Workshop soll das von der Kinderklinik Bern praktizierte stationäre Therapiekonzept für anorektische Patientinnen vorgestellt und diskutiert werden.

    Die Patienten an der Kinderklinik sind in aller Regel somatisch schwer krank (durchschnittlicher BMI um 13.5) und haben folglich häufig schwerwiegende somatische Probleme. Sie werden auf einer offenen medizinischen Bettenstation zusammen mit anderen körperlich kranken Kindern betreut.

    Gemäss unserem Krankheitsverständnis ist Anorexie nicht nur ein individuelles Problem, sondern eine generelle Entwicklungsstörung aller Familienmitglieder. Das ‚Symptom Magersucht‘ verstehen wir demzufolge als (missglückter) Lösungsversuch, welcher einen aktuell nötigen individuellen und familiären Entwicklungsschritt anzeigt. Zentrale Themen in der Therapie sind u.a. echte Autonomie, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung aller Familienmitglieder. In diesem Workshop soll anhand von Fallbeispielen gezeigt werden, wie wir mit diesen Themen in Familien- und Einzeltherapie arbeiten. Es soll u.a gezeigt werden, dass auch somatisch schwer kranke Jugendliche aktiv in der Therapie mitarbeiten können, wie das Austrittsgewicht mit der Familie ausgehandelt wird oder warum wir auf eine vorgeschriebene wöchentliche Gewichtszunahme, wie das in verschiedenen anderen stationären Therapiekonzepten verlangt wird, verzichten.