Workshopblock IV

  • Prof. Dr. phil. Hugo Gruenwald, MSc ZFH Monika Rufer

    Systemisch-verhaltenstherapeutisches Arbeiten im Kontext der adoleszentaeren Psychiatrie: Rahmenmodell und Praxisbeispiele

    ReferentInnen

    MSc ZFH Monika Rufer
    Prof. Dr. phil. Hugo Gruenwald

     

    Zusammenfassung

    Systemisch-verhaltenstherapeutisches Arbeiten ist taegliche Praxis in der Arbeit mit Jugendlichen.  Es wird ein Rahmenmodell vorgestellt, das Orientierungshilfe und Heuristik im systemisch-verhaltenstherapeutischen Navigieren zwischen diesen beiden Orientierungen , ja Welten , sein soll. An Praxisbeispiele aus dem Bereich der adoleszentaeren stationaeren Psychotherapie (ipw) wird dieses Modell exemplifiziert und dargestellt.

  • Dr. med. Conrad Frey, lic. phil. Edith Maria Blum

    Kinder und Jugendliche in einer erwachsenenpsychiatrischen Institution: Chance oder Risiko?

    ReferentInnen

    Lic. phil. Edith Maria Blum
    Dr. med. Conrad Frey

     

    Zusammenfassung

    Die Psychiatrie OW/NW ist für die institutionelle ambulante und stationäre psychiatrische Versorgung der 75'000 Einwohnerinnen und Einwohner der Kantone Obwalden und Nidwalden zuständig. Die Institution arbeitet gemeindenah und integriert, wobei das diagnostische und therapeutische Spektrum sämtliche psychischen Störungen umfasst. Seit 2010 wird im Psychiatriegebäude auch eine ambulante kinderpsychiatrische Einheit geführt. Im Workshop wird das bereichernde Mit- und Nebeneinander von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in der Psychiatrie anhand des Konzeptes sowie von Fallbeispielen zur Diskussion gestellt.

     

    fileadmin/user_upload/Bilder/Kongress_2013/Handouts/Handout_Workshop_ZSB_Tagung_2013.pdfHandout (pdf 0.9 MB)

  • Anna Elmiger

    Archaische Ressourcen von Familiensystemen: Aktivierung und Nutzung für Diagnose und Therapie bei Kindern, Jugendlichen und deren Familien

    Referentin

    Anna Elmiger

     

    Zusammenfassung

    Menschen sind Stammeswesen und als solche haben sie ihre Erfolge in der Evolution feiern können. Als Stammeswesen sind Menschen darauf angewiesen, Beziehungen, Beziehungsmuster, Beziehungserwartungen in ihrer Gruppe unmittelbar zu erkennen und entsprechend zu interagieren. Die Fähigkeit dazu wird seither von Generation zu Generation weitergegeben, von ererbten Genen vorbereitet und in frühen Kindheitserfahrungen entwickelt.


    Über die Fähigkeit Beziehungsmuster zu identifizieren, daraus Beziehungserwartungen abzuleiten und adäquat beantworten zu können, verfügen Menschen bereits ab dem Kindheitsalter. Diese ‚archaische’ Ressource steht (fast) allen Menschen als implizites, unmittelbar abrufbares Wissen zur Verfügung. Keine rationale Anstrengung ist nötig, um diese Ressource zum Leben zu erwecken.


    So ist es nicht erstaunlich, dass Virginia Satir eine der erfolgreichsten Methoden, zur Nutzung dieser impliziten Interaktionsressourcen im Kontext der Behandlung von Unterschichtsfamilien entwickelte; also von Familien, deren intellektuellen Ressourcen meist gering sind und deren Therapiemotivation oft in Richtung ‚Null-Bock’ tendieren.
    Der Workshop basiert auf Virginia Satir’s Ansatz der ‚Familienrekonstruktion’. Ziel des Workshops ist es, die positive Kraft dieser impliziten, archaischen Interaktionsressourcen erfahrbar zu machen.


    Zusammen mit den Teilnehmern wird ein Erstgespräch mit einer Familie re-inszeniert und so erfahrbar gemacht, wie ‚Familienskulpturen’ Interaktionskompetenzen wieder erwecken können und wie diese für Diagnose und Intervention genutzt werden können.

  • Rudolf Eigenheer

    Intensive Therapie bei Therapieverweigerer – Erfahrungen der multisystemischen Therapie mit Störungen des Sozialverhaltens

    Referent

    Rudolf Eigenheer

     

    Zusammenfassung

    Die multisystemische Therapie (MST) baut auf dem Prinzip auf, dass eine Behandlung von Jugendlichen mit einer Störung des Sozialverhaltens nur dann nachhaltig erfolgreich sein kann, wenn sich die erwachsenen Bezugspersonen in deren wichtigsten Lebensbereichen mit (oder sogar vor) verändern.  Der Jugendliche steht wohl als Patient im Zentrum der Behandlung, als Klient betrachtet wird jedoch die gesamte Ökologie des Jugendlichen und therapeutisch gearbeitet wird primär mit und durch die Eltern und Erziehungsberechtigten.  In diesem Workshop erfahren Sie anhand von Fallbeispielen und praktischen Werkzeugen die theoretische Grundlage und den systematischen Behandlungsablauf der MST.  Ebenfalls berichtet wird über stringente Qualitätskontrolle und Behandlungserfolge in der Schweiz.

     

    Handout

  • Dr. med. Madeleine Bettler-Bosshard

    Schwierige Jugendliche – schwierige Eltern? Therapeuten als Vermittler zwischen den Generationen

    Referentin

    Dr. med. Madeleine Bettler-Bosshard

     

    Zusammenfassung

    Anhand von Fallbeispielen von Jugendlichen in Krisen, Elternteilen mit psychischen/somatischen Krankheiten oder Drogenabhängigkeit und Eltern in gescheiterten Beziehungen werden problematische familiäre Beziehungen aus verschiedenen Blickrichtungen beleuchtet und  Lösungswege diskutiert. Interdisziplinäre Zusammenarbeit bei Fremdplatzierungen wird illustriert und durch Anregungen der Workshop-Teilnehmenden bereichert.

  • Dr. med. Monique Liechti-Darbellay, Dr. med. Jürg Liechti

    Eine bindungsbasierte Praxis der Systemtherapie – am Beispiel von schwierigen Verläufen bei der Anorexia nervosa

    ReferentInnen

    Dr. med. Monique Liechti-Darbellay
    Dr. med. Jürg Liechti

     

    Zusammenfassung

    Während Erwachsene unter psychischem Leidensdruck und Besserungshoffnungen von sich aus Hilfe holen und belastete Kinder von ihren Eltern bzw. deren Stellvertretern zur Therapie geführt werden, stehen belastete Jugendliche einer professionellen Hilfe – so offensichtlich notwendig wie angemessen sie auch erscheinen mag – oft misstrauisch gegenüber. Sie zeigen es in einer Palette von Verhaltensweisen, von Coolness, Verweigerung, passivem Widerstand bis Null Bock auf Therapie. Berücksichtigt man in der Diagnostik, Motivationsanalyse und Entscheidungsarchitektur allein den individuellen Gesichtspunkt, werden rasch diagnostische Kategorien wie „oppositionelles Verhalten“, „Anpassungsstörung“ oder „Anorexie“ ins Feld geführt. Wird die Qualität der Kommunikation um das Problem herum mit berücksichtigt, so zeigen sich zwei Gesichtspunkte, die für die Therapie genutzt werden können: Zum einen erhält das jugendliche Störungsverhalten im erweiterten (Familien-) Kontext einen Sinn und Funktionen, die mit Loyalitäten, Ambivalenzen, Ängsten, Verpflichtungen und „unsichtbaren Bindungen“ (Boszormenyi-Nagy u. Spark 1981) korrelieren. Zum andern ergibt der Einbezug all jener Menschen, die durch (verbale, nonverbale) Kommunikation um das Problem herum miteinander verbunden sind (Problemsystem) eine erweiterte Perspektive für die hilfreiche Veränderung. Ziel des Workshops ist die Anwendung eines systemisch-bindungsbasierten Denkens und Handelns auf die Therapie mit (scheinbar) unmotivierten Jugendlichen am videografierten Beispiel von schwierigen Verläufen bei der Anorexia nervosa. Dabei legen wir das Hauptgewicht auf die Patientin als „Expertin ihrer Leidenssituation“ und die subtilen Störungen in der Kommunikation mit ihren Eltern. Klinische Erfahrungen zeigen immer wieder, dass Therapiemotivation und Kooperation von psychisch belasteten Jugendlichen verbessert werden können, wenn die Eltern im Auftrag der Jugendlichen darin unterstützt werden, hilflose Kontrollversuche aufzugeben und stattdessen (Bindungs-) Sicherheit herzustellen.