Berner Psychotherapiekongress 2013

Den Anstoss zum ersten Berner Psychotherapiekongress gab ein runder Geburtstag: Nach Aufbaujahren seit den 80ern des vorigen Jahrhunderts jährt sich im Jahr 2012 die Gründung der Stiftung ZSB Bern zum zehnten Mal. Die Motivation, nun einen Kongress zum Thema der Bedeutung familiärer Ressourcen in der Therapie mit Jugendlichen durchzuführen, gründet darüber hinaus in den anspruchsvollen klinischen Erfahrungen und den speziellen Voraussetzungen bei der Psychotherapie mit dieser Altersgruppe. Erwachsene nehmen von sich aus Hilfe in Anspruch, wenn bei einem psychischen Leid Hoffnung auf Besserung besteht. Bei Kindern geht es darum, die Eltern für eine Therapie zu gewinnen. Aber wie verhält es sich mit den seelisch leidenden Jugendlichen? Die subtilen Beziehungen zwischen ihnen und ihren Eltern bleiben oft ein Rätsel. Denn Jugendliche lassen sich nicht so leicht in die Karten blicken. Eigene Ambivalenzen einzugestehen, wäre nicht cool, und gerade jene, die am meisten gefährdet sind, geben sich stattdessen undurchsichtig oder haben Null Bock auf Therapie – ungeachtet aller Risiken, die sie dadurch für sich und andere in Kauf nehmen.

 

Die Zahl der psychischen Störungen bei Jugendlichen steigt alarmierend an. Umso wichtiger ist es, unabhängig von Therapieschulen nach Modellen für die effiziente Hilfe Ausschau zu halten. In Kombination mit andern Paradigmen eignet sich die systemische Praxis, die sich am Beziehungskontext Heranwachsender orientiert, zur Mobilisierung familiärer Ressourcen. Familienbeziehungen sind durch mehr oder weniger intensive Gefühle der Loyalität, Bindung, Fürsorge, Ambivalenz und inneren Verpflichtung geprägt. Werden diese Gefühle primär als Stärken respektiert – auch wenn sie sich im Einzelfall blockierend oder pathologisch auswirken – so ergeben sich daraus Einflussmöglichkeiten für die frühzeitige Motivation und Therapie von gefährdeten Jugendlichen.

 

Insofern thematisiert der Kongress zwei Bereiche: Einerseits den Stand der Wissenschaft in Bezug auf das Chancen- und Risikopotenzial in Familienbeziehungen und anderseits ein konkretes Handlungswissen für die ambulante und stationäre Therapie. Für die verschiedenen Wissensbereiche konnten auch international renommierte Referentinnen und Referenten mit ausgewiesener Zuständigkeit für ihr Gebiet gewonnen werden.

 

Der Kongress richtet sich an alle (Fach-) Personen, die in ihrem Alltag mit seelisch belasteten Jugendlichen und ihren Bezugspersonen zu tun haben und daran interessiert sind, sich aus verlässlichen Quellen über den Stand der Wissenschaft und die Praxis der Psychotherapie zu informieren.    

 

Dr. med. Jürg Liechti

Präsident Stiftung ZSB Bern

 

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Null Bock auf Therapie